Der Aufschrei in der Fachpresse war groß, als die Ärzte Zeitung online am 21.8.2017 einen Bericht unter der Überschrift “ADHS-Therapie könnte billiger und effizienter sein” veröffentlichte. Hier wurde dem Neurofeedback-Training nur eine geringe Wirksamkeit zugeschrieben. Zitat “Die Neurofeedbackintervention war dabei dem Placeboversuch nicht überlegen. Die Forscher konnten keinen spezifischen Effekt des Neurofeedback auf die Hirnströme nachweisen.” Schaut man sich die Studie genau an, dann relativiert sich die ganze Sache. Die DGBfb hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht.

https://www.dgbfb.de/index.php/de/stellungnahmen/180-stellungnahme-zu-einer-wiss-vergleichsstudie-zu-neurofeedback-vs-verhaltenstherapietudie

Es ging bei der Studie um die Ergebnisse bei Erwachsenen. Dabei wurde der Schwellenwert, den der Proband bein Neurofeedback-Training beachten musste, nicht manuell (wie es standardmäßig üblich ist), sondern automatisch ermittelt. Die Details sind in der Stellungnahme der DGBfb www.dgbfb.de gut dargestellt.

In meiner Praxis arbeite ich mit Kindern und mit Erwachsenen nach der gleichen Methode. Der Schwellenwert für die einzelnen Frequenzen beim Frequenzband-Training wird manuell ermittelt und permanent angepasst. Dieses Vorgehen ist erfolgreich.

Welche gelingenden Faktoren sind nun beim Neurofeedback-Training wichtig?

In erster Linie ist es die regelmäßige Anwendung einmal die Woche über einen Zeitraum von mindestens 20-25 Sitzungen wichtig. Zu Beginn gibt es ein Probatorium von 5 Sitzungen, um zu prüfen, ob die Methode geeignet ist und sich das Kind oder der Ewachsene auf das Training einlassen kann. Hierbei wird in der ersten Sitzung die Methode erläutert und verschiedene Tests (Lesen, Rechnen) durchgeführt. Aufgrund der Messergebnisse wird zuerst der Schwellenwert für die Thetawellen festgelegt. Ferner wird der Wert für das Verhältnis von langsamen Wellen (Theta) zu schnelleren Wellen (Beta) in der sogenannten Theta-Beta-Ration ermittelt. Dieses Vorgehen wurde von MONASTRA propagiert, der auch Messwerte für die Diagnostik bei AD(H)S-Betroffenen in verschiedenen Altersgruppen festgelegt hat. Bei der letzten Probatoriumssitzung erfolgt ein Re-Test. Anschließend wird über das weitere Vorgehen entschieden. Üblicherweise werden dann zweimal 10 Einheiten absolviert, um die Absenkung der Thetawellen und die Anhebung der SMR-Wellen zu erlernen. Wie gut die Regulierung der eigenen Gehirnaktivität gelingt, hängt auch von der Übungszeit nach den jeweiligen Neurofeedbacksitzungen ab. Denn das Erlernte muss zuhause und in der Schule oder auf der Arbeit trainiert werden. Deshalb ist es wichtig, dass bei Kindern neben den Eltern auch alle Betreuungspersonen in der Schule, im Hort oder der Kita informiert sind. Erwachsene entscheiden selber, wer von dem Training wissen soll.

Das Gehirn ist natürlich kein Muskel, der beliebig trainiert werden kann. Aber es reagiert auf Training mit einer Anpassung. Und diese Anpassung ist schon im Kindesalter möglich und reicht bis ins hohe Erwachsenenalter. Meine jüngsten Kunden sind 5 Jahre alt und meine ältesten Kunden Anfang 60.