Ich möchte heute über die Erfahrungen eines 12-jährigen Jungen berichten, der in meiner Praxis ein Neurofeedback-Training durchführte. Nennen wir den Jungen Jonas (Name geändert). Jonas geht in die 6. Klasse eines Gymnasiums im Main-Taunus- Kreis. Seine Leistungen in Deutsch und Mathe sind nicht ausreichend. Es liegt keine LRS vor, das bestätigen die Ergebnisse des SPZ. In der 1. Sitzung  wurde das Gehirnwellenmuster in Ruhe und während eines standardisierten Testes erhoben. Seine Thetawellen zeigen sich erhöht. In den 5 darauffolgenden Trainingssitzungen gelingt es ihm mit Hilfe des Neurofeedback-Trainings ein Bild für seine Konzentration zu finden – den Tiger. Immer wenn er an einen Tiger denkt, verringert sich die Amplitude seiner Thetawellen messbar. Als er das merkt und auch den Erfolg live sieht, lässt er sich einen kleinen Tiger aus Platik schenken, den er auf seinen Schreibtisch beim Lernen, bei den Hausaufgaben und bei den Arbeiten im Klassenraum stellt. Diesen “Glücksbringer” schaut er immer an, wenn es unruhig in der Klasse ist. Dann kann er sich besser konzentrieren. In Deutsch gibt es jetzt die erste 2 in der Klassenarbeit und in Mathe eine 3+, in den anderen Fächern wird es auch besser. Seine Noten haben sich deutlich verbessert und er ist sehr stolz auf seine Leistung. Jonas ist davon überzeugt, dass er es selbst geschafft hat (Selbstwirksamkeit). Und das stimmt auch, denn das Neurofeedback-Training ist nur das Mittel dazu, sein eigenes Gehirn zu regulieren.

Jonas ist sicherlich eine Ausnahme, da er sehr reflektiert ist und über erstaunliche geistige Fähigkeiten verfügt.

Wie sich ein derartiges Training bei Ihrem Kind auswirkt, lässt sich nicht vorhersagen. Sind allerdings alle Bezugspersonen des Kindes (Eltern, Großeltern, Lehrer u.a.) über die Art des Trainings informiert und unterstützen das Kind bei seinem Training, dann besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass es wirkt. Normalerweise sind mindestens 10-15 Sitzungen notwendig, einige Studien sprechen auch von 20-30 Sitzungen.