Pressestelle der Stadt Schwalbach
Veröffentlicht am: 03.03.2016

Ich sitze auf einem bequemen Sessel. Vor mir ist ein großer Bildschirm, hinter mir steht Uwe Feder, Biofeedback-Trainer und Inhaber von FederConcept. Er hat gerade insgesamt drei Elektroden an meinen Ohrläppchen und am Kopf angebracht. Jetzt kann es losgehen, das Biofeedback-Training in der neu eingerichteten Praxis, Bahnstraße 5a. Auf dem Bildschirm vor mir bewegt sich ein grüner, vertikaler Streifen auf und ab.

„Versuchen Sie, ganz entspannt und ganz besonders aufmerksam zu sein“, sagt Uwe Feder. „Immer wenn Sie das schaffen, wird der Balken hellgrün und länger und zeigt so das Niveau der SMR-Wellen (Sensomotorischer Rhythmus) in Ihrem Gehirn an. Sie stehen für körperliche Ausgeglichenheit und eine erhöhte Aufmerksamkeit. Diesen Zustand sollten Sie mit Ihren Gedanken so oft wie möglich erreichen. Ziel ist, dass eine trainierte Person diese besondere Aufmerksamkeit immer dann bewusst herbeiführen kann, wenn sie benötigt wird.“

Zum Beispiel in der Schule, vor Klassenarbeiten. Denn Uwe Feder ist von Beruf Lehrer für Biologie und Sport. In diesem Beruf hat er viel Gelegenheit, Kinder kennen zu lernen, die große Probleme haben, sich zu konzentrieren. „In jeder Klasse gibt es zwei bis drei Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, kurz ADS. Im Sportunterricht können sie kaum einer kurzen Spielanleitung folgen. Und ich habe mich oft gefragt, was man dagegen machen kann, jenseits der Gabe von Ritalin.“

Im September 2014 hatte er dann bei Stern-TV eine Sendung zum Thema Neurofeedback-Training gesehen und war zuerst skeptisch. Doch dann hat er sich informiert und schließlich eine Ausbildung dafür gesucht, die er im ersten Halbjahr 2015 absolvierte. Danach wurden die Geräte angeschafft und zuerst in Bad Soden „in Betrieb genommen.“ Die Praxis in Schwalbach am Taunus wurde Ende Januar 2016 eröffnet.

Laut Uwe Feder ist Biofeedback-Training, wie er es anbietet, geeignet um in zwei Fällen Abhilfe zu schaffen: Einmal, wie erwähnt, bei einer Aufmerksamkeitsstörung von Kindern und Jugendlichen. Diese jungen „Patienten“ belohnt das Biofeedback-Programm, indem es für jede Phase der besonderen Aufmerksamkeit einem Puzzle ein weiteres Teil hinzufügt.

Für Migränepatienten, also überwiegend bei Erwachsenen, greift ein anderes Konzept, das sogenannte Vasokonstriktionstraining der Schläfenarterie. Dabei geht es darum, mit Biofeedback-Training so weit zu kommen, dass der schmerzgeplagte Migränepatient die Durchblutung seiner Schläfenarterie beeinflussen kann. Dafür wird ein Sensor direkt über der Arterie angebracht, der anzeigt, ob die Ader gerade enger oder weiter ist.

Uwe Feder: „Auf dem Bildschirm ist nun ein Ring in leuchtendem Rot ähnlich einem Schwimmreifen zu sehen. Dieser symbolisiert die Schläfenarterie mit dem Sensor. Weitet sich die Arterie, wird der rote Ring auf dem Bildschirm größer, verengt sie sich, wird auch der Ring auf dem Bildschirm kleiner. Nach acht bis zehn Übungsstunden sollten Migränepatienten in der Lage sein, die Durchblutung ihrer Schläfenarterie zu verringern indem sie die Ader verengen. So kann die Migräneattacke abgeschwächt werden.“ Die Folge könne eine Verringerung der Medikamenteneinnahme und mehr Lebensqualität sein.

Der gebürtige Berliner Uwe Feder ist der Liebe wegen 2011 nach Schwalbach am Taunus gezogen. Gegenwärtig unterrichtet er Sport an der Helen-Keller-Schule in Wiesbaden (eine Grundschule mit Förderschwerpunkt Sprachentwicklung). Feder: „Sportler im Wettbewerb müssen ihre volle Leistung abrufen können. Damit dies gelingt, wenden sie auch mentale Techniken an. Biofeedback-Training ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, mit der Veränderungen in unserem Körper gemessen werden, die wir dann anschließend wahrnehmen können. Man kann es mit Autogenem Training vergleichen. Doch um Gehirnwellen oder eine Ader zu beeinflussen, müssen wir ein Bild vor uns haben, damit es funktioniert.“